Pilotphase 2006/07

Im Schuljahr 2006/07 fanden in drei Berliner Schulen SchulCoach®-Projekte zur frühzeitigen Orientierung der persönlichen Bildungsbiographie statt.

 

Mit dem Programm wurde beabsichtigt, den Blick der Schülerinnen und Schüler auf die notwendigen Gestaltungskompetenzen zu lenken, die im Umgang mit der individuellen Bildungs- und Berufswegeplanung eine Rolle spielen.

 

Eine zentrale Bedeutung hatten im ersten Teil des Pilotprojektes die Kontaktaufnahme in die Lebens- und Arbeitswelt und der Aufbau eines persönlichen Netzwerkes. Den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern sollte dieser Ansatz die Chance einräumen, sich mit den Arbeitsaufträgen auseinanderzusetzen und die damit einhergehenden Erfolge oder auch Misserfolge zu reflektieren.

 

Neben der praktischen Erfahrung wurde den Jugendlichen im Verlauf des Projektes Gelegenheit gegeben, durch Übungen und Spiele mehr über ihre eigenen Interessen, Stärken und Möglichkeiten einer aktiven Bildungsweggestaltung zu erfahren. Teamarbeit und Kommunikation in diesem Prozess wurde durch praktische Aufgaben trainiert. Regelmäßige Reflexionsphasen über die Handlungsmuster, die zum Gelingen oder Nicht Gelingen von persönlichen Zielen beitragen, dienten dazu Wege für neue Lösungsstrategien zu entwickeln.

 

Die Umsetzung kleinerer Projekte zum Thema Arbeitswelt hatte zum Ziel anhand der jeweiligen Interessensschwerpunkte der Schülerinnen und Schüler, individuelle Handlungskompetenzen zu stärken.

 

Ergebnisse

Die Umsetzung des Pilotprojekts hat den Schülerinnen und Schülern eine Vielzahl von Möglichkeiten geboten, sich ihrer persönlichen Fähigkeiten wie ihrer perspektivischen Chancen aktiver Zukunftsgestaltung bewusst zu werden. Je nach Ressourcen konnte dieses Angebot unterschiedlich stark genutzt werden. Es hat sich schnell gezeigt, dass die Beschäftigung mit Fragen der Bildungs- und Berufswegeplanung zunächst reflexartige Erwartungen in der Zielgruppe hervorruft, die sich stark an Vorstellungen „Bewerbungstraining, Vorstellungsgespräch, Berufskunde“ binden.

 

Vor diesem Hintergrund stellte sich zu Beginn des Pilotprojekts die Aufgabe, die stark fokussierenden Sichtweisen zu weiten und die Schülerinnen und Schüler auf die außerschulischen Kontakte zur Lebens- und Arbeitswelt zu orientieren. Durch Kontakte zu Menschen in ihrer Arbeitswelt konnte ein stärkerer Realitätsbezug zu Ausbildungswegen und aktuellen Anforderungen aufgebaut werden. Die teilweise festen Erwartungshaltungen im Hinblick auf die unmittelbare Verbesserung der Arbeitsmarktchancen durch die Teilnahme am Programm konnte allerdings nicht aufgebrochen werden.

  

Es zeigte sich, dass es den Schülerinnen und Schülern verständlicherweise größere Mühe machte ins „kalte Wasser“ zu springen und Kontakte nach außen aufzubauen. Die eigenständige Entwicklung der Arbeitsweltprojekte als interessenorientierter Zugang zu Tätigkeitsfeldern fiel den meisten Schülern sehr schwer. Dies zeigte sich auch darin, dass nicht alle Schülergruppen zu einem gelungenen Abschluss kamen. Die vielleicht (zu)hohen Erwartungen an die selbständige Bearbeitung eigenständig formulierter Arbeitsweltprojektziele überforderten viele Schülerinnen und Schüler. Mehr Strukturvorgaben wären möglicherweise hilfreich gewesen, hätten aber dem ursprünglichen Ziel der Selbständigkeit entgegengestanden. Der Umgang mit Disziplinproblemen und Motivationsmangel kam bei einigen Schülerinnen und Schülern erschwerend hinzu.

 

Die Übungen und Spiele zur Stärkung der sozialen Kompetenzen, Teamfähigkeit und zur Erarbeitung der Stärken/Schwächen Portfolios konnten nicht von allen Jugendlichen für die Umsetzung der Arbeitsweltprojekte produktiv genutzt werden. Bei einigen war es nötig, dass der SchulCoach® stark unterstützend eingreifen musste.

 

Der prozessorientierte Arbeitsstil stieß bei vielen Schülerinnen und Schülern auf Unverständnis, was unserer Auffassung nach einen Zusammenhang zu dem stark ergebnisorientierten Lernverständnis innerhalb der Schule hat und daher noch nicht so selbstverständlich verankert ist. 

 

Fazit

Unser Ziel war es, das Thema „Berufsorientierung“ nicht in erster Linie auf der spezifischen inhaltlichen Ebene zu definieren, sondern vor allem über die Gestaltungskompetenzen, wie Netzwerkbildung, Kontaktaufbau, Arbeiten im Team, selbstständiges und eigenverantwortliches Arbeiten und Prozesslernen.

  

Wir haben unser selbstgestecktes Ziel in der Pilotphase nur teilweise erreicht. Zur Qualitätsverbesserung des Projektes wird das Projekt in Zukunft nicht mehr als AG realisiert, sondern in einer kompakten Stärken Woche an einem außerschulischen Lernort (möglichst im Unternehmen). Die starke Rollenprägung, die bei Schülern auftritt solange sie sich im Raum Schule aufhalten, kann durch die veränderte Lernumgebung entschieden besser aufgebrochen werden. Der Ressourcenverlust, der zwischen den wöchentlichen Sitzungen zu beobachten war, kann deutlich reduziert werden, indem die Bearbeitung der Themen kompakt innerhalb einer Woche stattfindet. Der Realitätsbezug und die Bedeutung des Anliegens Anforderungen der Ausbildungs- und Berufswelt werden durch den direkten Kontakt mit einem Unternehmen als Lernort erhöht. Wir beabsichtigen das Projekt in veränderter Form fortführen zu können. Derzeit ist es jedoch nicht möglich sich für das Programm zu bewerben.

 

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